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Spiegel-Bestseller-Autor spricht mit Jugendlichen über Freiheit, Widerstand und Haltung
Wie fühlt es sich an, Menschen zu begegnen, deren Väter am 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler Widerstand leisteten? Was bedeutete es für die Familien der Widerstandskämpfer, als ihre Väter hingerichtet wurden? Und was hat die Geschichte des Widerstands mit jungen Menschen von heute zu tun? Über diese und viele weitere Fragen sprach der Spiegel-Bestseller-Autor und Journalist Tim Pröse am Freitag, 2. Oktober 2026, mit Schülerinnen und Schülern aus drei Feuchtwanger Schulen. Anlass für seinen Besuch war die bundesweite „Lange Nacht der Demokratie“.
In der Aula der Grund- und Mittelschule Feuchtwangen-Land begegneten Schülerinnen und Schüler der 8., 9. und 10. Jahrgangsstufe der Mittelschule Feuchtwangen-Land, der 10. Jahrgangsstufe der Mittelschule Feuchtwangen-Stadt sowie der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Feuchtwangen Geschichte aus einer persönlichen Perspektive. Pröse las aus seinem Buch „Wir Kinder des 20. Juli“ und erzählte von den Menschen, die hinter dem Widerstand gegen das NS-Regime standen, ihren Familien und den Folgen ihres Handelns.
Der Autor nahm die Jugendlichen zunächst mit auf eine Zeitreise: Sie sollten sich vorstellen, in der Aula zu sitzen – aber nicht im Jahr 2026, sondern vor rund 80 Jahren. Mit eindringlichen und emotionalen Worten schildert er den Alltag der damaligen Jugendlichen, geprägt von Diktatur, nationalsozialistischer Ideologie und Krieg. Er sprach von Panzern und Heldentod, von Hitler und von den jüdischen Mitschülerinnen und Mitschülern, die plötzlich nicht mehr da waren und deportiert wurden.
Pröse führte anschließend zu seinem Buch und den Menschen dahinter. Für seine Recherchen hatte er mit rund zwölf Menschen aus dem Umfeld des 20. Juli 1944 persönlich gesprochen – darunter ein damaliger Wachsoldat der „Wolfsschanze“ sowie Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, der älteste Sohn Claus Schenk Graf von Stauffenbergs. Pröse berichtete vom gescheiterten Umsturzversuch und vor allem von den Schicksalen der Familien. Die Kinder der Widerstandskämpfer wurden in sogenannte Umerziehungsheime gebracht, ihre Mütter ausgegrenzt und von Unterstützung abgeschnitten. Besonders eindrücklich schilderte er seinen Besuch mit den Kindern der Widerstandskämpfer in Plötzensee, dem Ort, an dem ihre Väter nach dem gescheiterten Attentat hingerichtet worden waren.
„Ich möchte die Flamme weitertragen, die diese Menschen in sich getragen haben“, erklärte Pröse den Schülerinnen und Schülern. Er selbst war inzwischen an rund 200 Schulen in Deutschland zu Gast, um die Erinnerung an die Widerstandskämpfer und ihre Familien an junge Menschen weiterzugeben. Dabei schlug er den Bogen zur Gegenwart: Die Freiheit und Selbstbestimmung, mit der junge Menschen heute aufwachsen, seien keine Selbstverständlichkeit. Für die Zeit nach der Schule wünschte er den Jugendlichen deshalb vor allem Glück, Erfolg und „ganz viel Freiheit“ – denn für diese Freiheit hätten die Menschen in seinem Buch gekämpft.
Im anschließenden Gespräch interessierten sich die Jugendlichen unter anderem für die Schicksale der Kinder und Ehefrauen, für die Planung und den Mut der Menschen hinter dem Attentat sowie für die möglichen Folgen eines erfolgreichen Attentats.
Johannes Stegmann, Leiter der Mittelschule Feuchtwangen-Land, betonte die Bedeutung des Themas auch für die Gegenwart. Die Geschichte des Nationalsozialismus sei zwar Vergangenheit, die Fragen nach Verantwortung und persönlicher Haltung seien jedoch aktueller denn je. Pröse habe die damalige Situation „sehr eindrücklich“ und realistisch vermittelt: „Es ist keine Fiktion. Das fand tatsächlich statt.“ Die Geschichte zeige, wie wichtig es sei, nicht zu schweigen oder einfach mitzulaufen, sondern „Stopp“ zu sagen. Diese Haltung beginne bereits im Alltag, etwa bei Mobbing auf dem Schulhof.
Für Markus Endres und Christoph Galewski, Geschichtslehrer am Gymnasium Feuchtwangen, bot die Veranstaltung eine wertvolle Ergänzung zum regulären Unterricht. Zwar werden die NS-Zeit und der Widerstand bereits im Lehrplan behandelt, doch stehen häufig die historischen Ereignisse und weniger die persönlichen Schicksale im Mittelpunkt. Pröses Vortrag habe den Schülern hier einen neuen Zugang eröffnet.
Am Abend setzte Tim Pröse seinen Besuch in Feuchtwangen mit einer öffentlichen Lesung in der Stadthalle „Kasten“ fort. Dort stellte er sein Buch „Wir Kinder des 20. Juli“ einem breiten Publikum vor und sprach ebenfalls über die persönlichen Geschichten der Familien der Widerstandskämpfer.
Organisiert wurde die „Lange Nacht der Demokratie“ in Feuchtwangen vom Kulturbüro und der Stadtbücherei in Kooperation mit der Musikschule Romantisches Franken e. V.
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