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Das Spiel vom dicken, fetten Pfannekuchen

Fotos: Ralf Buscher



Katrin Sagener, Judith Mauch



Judith Mauch, Katrin Sagener

Wo Märchen wahr werden
Lustig und poetisch: Die BühneBumm aus Hamburg spielt mit dem Spielen

Das schönste Kinderstück der Freilichtsaison ist eine kleine, bewegliche Sache. So klein, dass man es übersehen kann. Aber es sind so viele Einfälle darin, so viel Humor und Poesie, dass es sich zu einem satten Vormittagsvergnügen für die Jüngsten auswächst. (...) Die Bühne Bumm hat hier (bei den Kreuzgangspielen) ein niegelnagelneues Stück herausgebracht. Man möchte (...) meinen, das Stück sei einzig und allein für den Nixel-Garten gemacht worden. Der Nixel-Garten am Oberen Tor, das muss man wissen, sieht aus wie ein halb vergessener Ort: wild wuchernde Sträucher, bemooste Steinmauern, rostige Zäune. (...) Ein Ort, an dem Märchen wahr werden. Und so kommt es. Die BuehneBumm spielt das Volksmärchen vom flüchtigen Pfannkuchen so lebensprall, dass man auf dem Nachhauseweg den Duft von frischen Pfannkuchen in der Nase hat – und das, obwohl nirgends einer brutzelt. Die Textfassung von Gero Pflaum hält sich dem Ablauf nach eng ans Märchen, geht aber mit allem anderen sehr frei um, wie auch die pfiffige Regie von Ulrich Meyer-Horsch. „Das Spiel vom dicken, fetten Pfannekuchen“ spielt mit dem Spielen und zeigt, dass alles nur gespielt ist. Die beiden Schauspielerinnen, Katrin Sagener und Judith Mauch, tauschen sogar ab und an offen die Rolle des Pfannkuchens. Sie wechseln einfach die Klamotten und die Kissen, die für wabbelweiche Figur sorgen. Klappt prima.

Thomas Wirth in der Fränkischen Landeszeitung (Westmittelfranken) vom 29. Juni 2010



Judith Mauch, Katrin Sagener


Katrin Sagener, Judith Mauch


Ein Pfannkuchen hüpft durch die Welt

„Wenn ich ihn erwische, esse ich ihn selber auf!“, ruft ein Kind in der ersten Reihe bei der Premiere. „Ich verrat dich!“, ein anderes. Das zeigt: Die Kinder waren voll dabei, beim „Spiel vom dicken fetten Pfannekuchen“ der BühneBumm im Feuchtwanger Nixelgarten. (...) Katrin Sagener und Judith Mauch beginnen ihren Auftritt erst einmal erzählend, bevor sich das Geschehen zum Spiel entwickelt. Sie haben einen originellen Weg gefunden, den Pfannekuchen zu mimen. Als erstes spielt ihn Katrin Sagener. Sie zieht einen weißen Unterzieher über (das ist die Milch), noch einen (das sind die Eier), packt dann hinten und vorne ein rundes Kissen darunter (das Mehl) und oben drüber ein goldgelbes Sweatshirt als Zucker. Schon ist der Pfannekuchen fertig. Aber wieso soll er sich aufessen lassen? Erst einmal will er Spaß haben. Darum hüpft er aus der Pfanne, tanzt mit Gans Watschwanz, kuschelt sich an Schaf Schlaf. Doch alles geht nur eine Weile gut. Die Tiere finden den Geruch des Pfannkuchens nur allzu verführerisch, also flüchtet er kantaper, kantaper weiter. (...) Und doch nimmt zu guter Letzt diese Bühnenversion des Pfannekuchens ein gutes, versöhnliches Ende. Die Darsteller spielen nicht nur schlicht eine Geschichte, sondern garnieren sie mit auflockernden Elementen. Da dürfen die Kinder vorgespielte Tiere raten. Oder die flinken, etwas vorwitzigen Eichhörnchen als Handpuppen erleben. Oder es wird die Rolle des Pfannekuchens (...) übergeben. So dass immer klar bleibt, es ist ein fröhliches Spiel. Auf diese Weise bringen die beiden quicklebendigen Schauspielerinnen für die Zuschauer im Kindergartenalter ein mitreißendes Stück auf die Bühne. Regie führt Ulrich Meyer-Horsch. (...) Die Kooperation mit den Kreuzgangspielen knüpft an die gelungene Zusammenarbeit im vergangenen Sommer an.

Christiane C. Schmidt, Schwäbische Post vom 7. Juli 2010

 



Katrin Sagener, Judith Mauch

norway.today

Fotos: Alexander Ourth




Johanna Trachsel, Vincent Heppner


Leben lernen an der Kante zum Abgrund

Dagmar Leding inszeniert schnelles, hartes Jugenddrama 

Norwegen ist fern, der Nixel-Garten nah: Um sich 600 Meter in die Tiefe zu stürzen, braucht es keine Fjord-Klippe. Bei den Kreuzgangspielen reicht es, wenn zwei Lebensmüde an der Kante des Spielpodests stehen, damit es einem mulmig wird. (...) Igor Bauersimas Erfolgsstück „norway. Today“ hatte Premiere. Eine schnelle, harte Inszenierung, die ihre Figuren auf einen Crash-Kurs in Sachen Lebenlernen schickt. Dagmar Leding setzt „norway.today“ minimalistisch um. Zwei klasse Schauspieler, eine Bühne, ein wenig Musik. Das war es. Keine Videoprojektion, keine langen Abschiedselegien (...), dafür aber heftige Emotionen. Ledigs Regie führt sie vor, kommt gleich zum Punkt. Eine junge Frau und ein junger Mann, die in ihrem Leben eingesperrt sind, proben den finalen Ausbruch. Müde und maskenhaft starr sind nur ihre Gesichter in Ledings Inszenierung. Aber der Druck, der auf den beiden Jugendlichen lastet, schreit aus ihnen heraus. Julie sucht einen Selbstmordpartner. Fragt frontal in die Zuschauer hinein, vorwiegend Jugendliche, kaum jünger als Julie. Wo ist einer, der wie sie ist? Unter den Zuschauern sitzt einer: August. Er steht auf, geht auf die Bühne. Julie und August – ein Paar bereit für den Tod. Die uralten Fragen treiben sie um: Wer bin ich, bin ich überhaupt wer? Was ist echt und wahr, was ist Lüge und falscher Schein? Wie durchbricht man die Einsamkeit (...)? Wo ist de Freiheit in einer Welt voller Regeln und Zwänge? (...) Johanna Trachsel ist eine impulsive Julie. Fordernd, dominant, aggressiv. Jedes Wort mit Abscheu und Selbstbehauptungswillen herausgeballert. Aber sie ist vollkommen klar und geradlinig. Zumindest tut sie so. Vincent Heppner gibt seinem August eine gebrochene Wut mit. Kein verschüchterter Verlierer, sondern einer, der seine Sätze wie Scherben hinschmeißt. Erst als er seine Zuneigung zu Julie entdeckt, erst als beide von Nähe und Zärtlichkeit reden, sprechen sie weicher und fließender, vor allem August. (...) Bekenntnisse  zum Leben. Julie, die Macherin, will trotzdem nicht von ihrem Entschluss ablassen. Aber am Ende tanzen beide.

Thomas Wirth in der Fränkischen Landeszeitung (Westmittelfranken) vom 7. Juli 2010




Vincent Heppner, Johanna Trachsel


Verabredung zum Selbstmord 

Feuchtwanger Kreuzgangspiele bieten Stück für Jugendliche an 

Ein schwieriges Publikum, zugegeben, eher mit dem Handy beschäftigt oder der neuen Frisur als mit ernst zu nehmender Theaterkunst. Jugendliche eben, in ihrer virtuellen Welt oft mehr zu Hause als im „wahren Leben“. Doch da steht eine Schauspielerin auf der Bühne, und die ist ebenfalls mit ihrem Handy beschäftigt. Verkehrte Welt? „Hallo“, begrüßt Johanna Trachsel ihre Zuschauer, „ich bin die Julie. Ich werde bald sterben.“ „Oh cool“, antworten frech die pubertären Jungs, und die Mädels kichern. „Wir zeigen in diesem Jahr ein Stück, das auf Jugendliche zugeschnitten ist“, sagt die Feuchtwanger Kulturamtschefin Petra Brüning. „Damit haben wir auch für diese Altersgruppe ein Angebot.“ Eine ganz besondere Herausforderung also, und Neuland für die Kreuzgangspiele Neuland für die Kreuzgangspiele. Dieses Neuland heißt, wenn man so will, „Nixel-Garten“, denn das ist der Spielort der „Jungen Festspiele“. Dieser idyllische Fleck dicht an der Feuchtwanger Stadthalle mausert sich bereits im zweiten Jahr zu einer wunderbaren Alternative zum ehrwürdigen Kreuzgang. In dem ansteigenden Garten liegen Holzkisten aufgereiht, vor der alten Scheune ist eine Rampe aufgebaut. Hier wird Theater gespielt – und das nicht schlecht. Kaum Requisiten, kein Bühnenbild. Nur die Schauspieler und die Geschichte. Und die ist so einfach wie tragisch: Im Stück „norway.today“ von Igor Bauersima treffen sich zwei Jugendliche in einem Internet-Chatroom und verabreden sich zum gemeinsamen Selbstmord. Im Stück stehen sie vor einer hohen, norwegischen Klippe und wollen gleich springen. „Ich bin nur am Leben“, meint August (Vincent Heppner), „im Leben bin ich nicht.“ Was dem Schauspielerduo hoch anzurechnen ist: Sie fesseln ihre jugendlichen Zuschauer. Allen Freiluftwidrigkeiten (Ameisen, Glockengebimmel, Windstößen) zum Trotz. Offenbar ist die Suche nach dem Sinn ein Thema für Jugendliche, denn schnell sind die frechen Zwischenrufe vorbei, die Handys ausgeschaltet. Auch sprachlich bewegt sich das Stück, bei allem Witz, auf Augenhöhe der Jugendlichen. Da heißt der Selbstmord „One-way-ticket“ und: „Aus so ’nem Leben tret’ ich easy ab.“ Freilich wird auch kein Ausdruck ausgelassen, und Erwachsene müssen darob bisweilen trocken schlucken. Doch insgesamt wirkt das Stück nicht vulgär. Vor allem in der Liebesszene nicht. Die ist freilich nur virtuell, denn die beiden Selbstmordkandidaten trauen sich nicht so recht. Sie stellen sich vielmehr in Worten vor, was wäre, wenn... Hier nähert sich die Regisseurin Dagmar Leding der Sexualität sehr behutsam, und die Schauspieler setzen das Thema so gefühlvoll um, dass die Achtklässler auf den Zuschauer-Kisten zwar große, aber keine roten Ohren bekommen. Großes Theater im kleinen Nixel-Garten – und eine der Schlüsselszenen der Geschichte. Denn Julie und August bemerken auf einmal, dass es auf der Welt noch andere Gefühle gibt als das der Sinnlosigkeit. Und das ist auch die Botschaft des Stücks. In der wahren Geschichte hingegen, die dem Bühnenstück zugrunde liegt, ist das anders. Die Protagonisten „haben das durchgezogen“, erklärt Johanna Trachsel ihren jungen Zuschauern in der Fragerunde. Aber auch im Stück bleibt das Ende offen. „Das haben wir bewusst so gemacht“, erklärt Vincent Heppner. Zwar werde Julie und August klar, dass hier und jetzt nicht der richtige Zeitpunkt zum Gehen sei, doch ihre Zukunft kenne niemand. Die sollte sich jeder selber ausmalen. Vincent Heppner: „Wir wollen ja zum Nachdenken anregen.“

Ute Schäfer im Hohenloher Tageblatt vom 7. Juli 2006




Vincent Heppner, Johanna Trachsel


Weiblich, ledig, jung - sucht Partner zum gemeinsamen Selbstmord. Ein brandheißes Thema hat man sich dieses Jahr bei den Feuchtwanger Kreuzgangspielen für sein Jugendstück ausgesucht. In „norway.today“ verabreden sich zwei Jugendliche, um nach Norwegen an eine hunderte Meter hohe Felsklippe zu fahren und zusammen runterzuspringen. (...) Ob sie sich gegenseitig retten können, das werde ich Ihnen nicht verraten. Fakt ist, das Stück beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2000 und damals gab es kein Happy-End. (...) (Es) zeigt sich durch das Stück auf jeden Fall, dass Selbstmord von Jugendlichen ein sehr kontroverses Thema ist. Die Schauspieler versuchen, dem Publikum zu vermitteln, was in den tragischen Hauptfiguren vorgeht, und ganz ohne Bühnenbild schaffen sie es, alle mit zu den Felsklippen nach Norwegen zu nehmen. Darum ist mir das Jugendstück „norway.today“ (...) drei von fünf Radio 8-Premieren-Sternen wert.

Kerstin Meyerhöfer, Radio 8, am 6. Juli 2010




Johanna Trachsel, Vincent Heppner

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