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Alexandra Sydow (Frau Page), Anette Daugardt (Frau Hurtig), Jeanette Arndt (Frau Fluth)



Rainer Basedow (Falstaff)

Der alte Junge und die Stützen der Gesellschaft

Ulrich Hub inszeniert Shakespeares „Lustige Weiber von Windsor“ als ein Lustspiel mit doppeltem Boden. Auf der ersten Ebene ein munteres Ränkespiel mit gutem Ausgang, auf der zweiten Ebene eine Etüde über die untergründigen Triebkräfte einer gutbürgerlichen Gesellschaft – und auch ein illusionsloser Blick auf den Menschen selbst. (...) Hub liest gegen den Strich und stellt eine Gesellschaft in strengem Schwarzweißgrau auf die Bühne, die eine wilhelminische sein könnte (Ausstattung: Werner Brenner). Nicht nur deshalb sieht seine Inszenierung aus, als ob sich Michael Hanekes Film „Das weiße Band“ darin spiegelte. Bei Haneke und Hub geht es um die Gewalt, die eine Gemeinschaft prägt und mit der schon die Kinder konfrontiert sind. (...) Als am Ende – eine quälend starke Szene – Kinder und Erwachsene Brahms’ Wiegenlied anstimmen, pervertieren sie es. Es ist die Begleitmusik, um den alten, dicken Falstaff für seine Betrügereien zu bestrafen. (...) Ulrich Hub lässt die Aggressionen nicht platt ausspielen, er stilisiert sie, lässt körperliche Gewalt nur andeuten. Weniger schlimm wirkt sie deswegen nicht (...). Shakespeares geiler Fettwanst ist in Ulrich Hubs Bearbeitung edler geworden, ein einzelgängerischer Draufgänger, ein Randsteher, mit einem klaren Blick auf die Verhältnisse. Er sagt bemerkenswert freidenkerische Sachen. In solchen Momenten blitzt der Kabarettist in Rainer Basedow auf. (...) Basedows Falstaff ist auch ein alt gewordener großer Junge. Einer, der über seine eigenen Bedürfnisse nicht hinausdenkt. Verantwortungslos in aller Unschuld. Recht eindringlich kann Ulrich Hub mit dem Kreuzgang-Ensemble die Einwohner Windsors, die Stützen dieser Gesellschaft, auftreten lassen, oft auch in einer solch schönen Lakonie, dass im Komischen etwas Trauriges sichtbar wird. Der verhemmte Herr Kümmerlich von Ulrich Westermann zum Beispiel, der irgendwie früh verspießerte Fenton von Alexander Ourth, der marionettenhaft aufgekratzte Pfarrer von Peter Liebaug – allesamt komisch-traurige Typen. Annette Daugardt gibt die kupplerische Frau Hurtig mit breitbeiniger Standfestigkeit. Alexandra Sydow ist eine propere Frau Page. Die feinsten Figuren aber formen Jeannette Arndt und Andreas Wobig als Ehepaar Fluth. Sie: Sinnlichkeit, gefesselt von herrischer Strenge. Er: Melancholie, lustvoll befeuert von Eifersucht. Mag sein, dass die Begegnung mit Falstaff für die zwei eine Art Therapie war.

Thomas Wirth in der Fränkischen Landeszeitung (Westmittelfranken) vom 26./27. Juni 2010



Ensemble



Peter Liebaug (Pfarrer), Thomas Karl Hagen (Wirt), Thomas Jansen (Doktor)

Dieser Falstaff ist keiner, der sich anpasst. Unsympathisch ist dieser dicke ältere Herr nicht. Was die anderen denken, ist ihm egal. Wir könnten heutzutage wirklich mehr solche Typen gebrauchen. Vierhundert Jahre ist die Shakespeare-Vorlage alt. Regisseur Ulrich Hub hat sie massiv entstaubt und neu für den Kreuzgang geschrieben (...). Und raus gekommen ist eine intelligente Komödie mit viel Hintersinn, Situationskomik bis hin zu Slapstick. (...) Das bekannteste Gesicht der Produktion ist natürlich Gaststar Rainer Basedow, die Wunschbesetzung des Falstaff für Regisseur Ulrich Hub. (...) „Die lustigen Weiber von Windsor“ bei den Kreuzgangspielen Feuchtwangen sind mir vier von 5 Radio-8-Premierensternen wert. Ein raffinierter Spaß für schöne Sommerabende. Modern inszeniert, ohne auch nur einmal aufgesetzt zu wirken. Tolle Typen wurden geschaffen und trotz aller Komik und Klamauk gehen die Zwischentöne nicht verloren. (...) Für mich haben die Kreuzgangspiele Feuchtwangen mit den lustigen Weibern ganz klar gepunktet.

Klaus Seeger, Radio 8 am 25. Juni 2010



Thomas Karl Hagen (Wirt), Rainer Basedow (Falstaff)



Peter Liebaug (Pfarrer), Anette Daugardt (Frau Hurtig)

Shakespeare liebte deftige Späße

Spielfreude und Witz dominieren bei Shakespeares „Falstaff oder Die lustigen Weiber von Windsor“. Dementsprechend herzerfrischend bieten die Feuchtwanger Kreuzgangspiele derzeit das Lustspiel als Open-Air-Vergnügen an. (...) Regisseur Ulrich Hub hat Recht getan, dem Klassiker um Sir John Falstaff und dessen vergeblichen Liebesbemühungen den Shakespeareschen Eigensinn zu belassen. So dürfen die Figuren auf die Freiluftbühne treten, ohne komödiantisches Potenzial einzubüßen. Die einzige Änderung vor der Kreuzgangkulisse betrifft die Zuschauer - auf angenehme Art: Nach Umbauarbeiten darf unter sommerlichem Sternenhimmel und mit freiem Blick auf die Bühne auf bequem gepolsterten Sesseln Platz genommen werden. Das sorgt für vortreffliches Theatervergnügen, und bei „Falstaff“ für ein köstliches obendrein, denn niemand anders verkörpert den lüsternen Saufbold besser als Rainer Basedow. Den kennt noch jeder von der legendären „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ und aus zahlreichen Fernsehserien. (...) Der Falstaff an der Seite der beiden lustigen „Weiber“ Frau Fluth (Jeanette Arndt) und Frau Page (Alexandra Sydow) ist für ihn eine Paraderolle. Im Verein mit Pfarrer und tumben Ehemännern sorgt er für derbe Späße, irre Verwicklungen und beim Publikum für anhaltende Belustigung und viel Zwischenapplaus. (...)
Und wenn die Mannen um Falstaff sich selbst dann auch noch als Trottel hinstellen, dürfen ihre Frauen furios über die Bühne fegen, um den Spielwitz der unterschwelligen Emanzipations-Farce (...) in ungeahnte Höhen zu treiben.


Herbert Kullmann, Schwäbische Zeitung vom 10. Juli 2010



Alexander Ourth (Fenton), Anette Daugardt (Frau Hurtig)



Jeanette Arndt (Frau Fluth), Alexandra Sydow (Frau Page)

Viele heitere Scharmützel
Shakespeares „Lustige Weiber von Windsor“ in Feuchtwangen

Ein Schwergewicht auf der Bühne in Feuchtwangen: Falstaff ist in seiner ganzen Wucht in Shakespeares Stück „Die lustigen Weiber von Windsor“ zu bewundern, wo er der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Das ist ein Kerl – Rainer Basedow ist die Rolle des Falstaff richtig auf den Leib geschrieben. Ein abgehalfterter alter Dickwanst ist dieser Ritter von der aufgepumpten Gestalt – und wirkt doch in der Verkörperung dieses lustvoll aufspielenden Mimen so überhaupt nicht verkommen, sondern richtig pfiffig und gelegentlich überzeugend philosophisch. Schon in der Eingangsszene zeigt sich, dass es in Windsor unter der Oberfläche brodelt (...). Zwar ziehen sie dann über Falstaff her, der sich lieber in der Wirtschaft vergnügt, aber sie bekommen’s doch rasch heftig mit ihm zu tun, denn er hat gleich zwei verheirateten Damen Liebesbriefe geschrieben, um via Techtelmechtel an die Barschaften ihrer Familien zu gelangen. Das ruft Frau Fluth und Frau Page (listenreich: Jeannette Arndt und Alexandra Sydow) derart flugs mit dem Vorhaben auf den Plan, ihm eins auszuwischen, dass man glauben mag, so vordergründige Abwechslung in ihrem Eheleben käme ihnen doch ganz gelegen. So wird ein Täuschungsspiel der köstlichsten Art angelegt, in dem die Weiber von Windsor, zu denen noch die Kupplerin Frau Hurtig (als gekonntes Original Anette Daugarth) gehört, Falstaff mehrfach feste foppen und es dabei an Findigkeit und Derbheit nicht fehlen lassen. Dieser Gruppe eilt eine Versammlung von Mannsbildern hinterher, die in herrlicher Weise überzeichnet werden: Da ist vornan Andreas Wobig als der absurd eifersüchtige Herr Fluth, Peter Heeg als der bodenständige Herr Page, Thomas Jansen als der heftig französisierende Herr Doktor und Peter Liebaug als wuselig-kopfloser Herr Pfarrer. Thomas Karl Hagen als der Wirt vom Wirtshaus „Zum Wilden Schweinskopf“ moderiert ihr Anrollen und Abrücken nach Leibeskräften. Es kommt zu einer Vielzahl wunderschöner Szenen, mit denen Regisseur Ulrich Hub den Geist Shakespeare’scher Bühnenkunst kongenial einfängt (...). Bei all den schwungvoll inszenierten Täuschungsszenen hat die Jüngste der lustigen Weiber von Windsor schließlich die Nase vorn: Aus dem allgemeinen Showdown im Mythenwald entkommt Anne (gewitzt Nagmeh Alaei) mit ihrer tatsächlichen Liebe, dem jungen Fenton (Alexander Ourth). Derweilen sorgen sich die wieder vereinten Bürgerinnen und Bürger von Windsor, die samt Elfen (schön zu erleben die Kinder des Kinder- und Jugendchors „Cantemus“) Falstaff zunächst schier zu Tode erschreckt und dann noch fast erschlagen haben, doch um den Schwerenöter.

Sonja Jaser im Hohenloher Tagblatt vom 30. Juni 2010



Nagmeh Alaei (Anne Page), Ulrich Westermann (Kümmerlich)



Andreas Wobig (Herr Fluth)



Jeanette Arndt (Frau Fluth), Rainer Basedow (Falstaff)


Ulrich Westermann (Kümmerlich), Joseph Saxinger (Richter), Peter Heeg (Herr Page), Peter Liebaug (Pfarrer), Jeanette Arndt (Frau Fluth)



Joseph Saxinger (Richter), Jeanette Arndt (Frau Fluth), Alexandra Sydow (Frau Page)



Rainer Basedow (Falstaff)



Nagmeh Alaei (Anne Page), Peter Heeg (Herr Page), Anette Daugardt (Frau Hurtig), Alexander Ourth (Fenton)



Thomas Jansen (Doktor), Anette Daugardt (Frau Hurtig)



Jeanette Arndt (Frau Fluth), Alexandra Sydow (Frau Page), Anette Daugardt (Frau Hurtig)



Rainer Basedow (Falstaff)



Peter Heeg (Herr Page), Joseph Saxinger (Richter), Ulrich Westermann (Kümmerlich)



Alexandra Sydow (Frau Page), Rainer Basedow (Falstaff), Jeanette Arndt (Frau Fluth)



Nagmeh Alaei (Anne Page), Alexander Ourth (Fenton)

Fotos: Monika und Karl Forster

 

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